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GRIECHISCHE KULTUR

Waldbrände in Griechenland

Es sind Griechen, die Griechenland abbrennen!

Im vergangenen August gab es im Umland von Athen große Waldbrände. Schätzungen der Regie- rung zufolge wurden bislang zwischen 150 und 200 Quadratkilometer Wald, Buschland und landwirt- schaftlich genutztes Gebiet zerstört sowie 150 Häuser. Die Bevölkerung ist sich einig, dass diese ver- heerende Naturkatastrophe nicht zufällig entbrannte, sondern vorsätzlich von Grundstücksspekulan- ten verursacht wurde.

Kampf um die Existenz – Griechische Feuerwehrmänner und Anwohner im Einsatz

Schon in der Antike warnte Platon seine Zeitgenossen vor der Waldrodung und ihren ökologischen Folgen. Griechenland, einst zu fast 100 Prozent bewaldet, hat heute nur noch 10 Prozent Waldge- biete. War es früher der zunehmende Bedarf an Ackerfläche und Weideland oder an Schiffen, ist es heute nur noch die reine Gier von skrupellosen Geschäftsleuten, für die Menschenleben nichts zählen und die verbrannte Kinder billigend in Kauf nehmen. Sie brennen Wälder ab, um sie dann zu profita- blem Bauland zu machen. "Es sind Griechen, die Griechenland abbrennen!" Und die Regierung, die das Land und sein Volk beschützen müsste, sieht tatenlos zu. Sie geht nicht gegen die Bodenspeku- lanten vor und hat immer noch kein Gesetz erlassen, dass es verbieten würde, auf verbrannter Erde zu bauen. Die Regierenden sind Mittäter! Griechische Umweltverbände und sogar Immobilienmakler
fordern deshalb schon lange ein Waldregister. Wäre ein Grundstück dort als Wald verzeichnet, dürfte es auch nach einem Brand nicht zu Bauland umgeschrieben werden. In Spanien gibt es seit 2006 ein Gesetz, nach dem abgebranntes Land 30 Jahre lang nicht als Bau- oder Ackerland genutzt werden darf, in Italien sind es laut Gesetz zehn Jahre. Doch ob diese Gesetze auch befolgt werden, muss sich erst noch zeigen. Denn auch in Griechenland gibt es ein schwammiges Gesetz, das besagt, dass abgebrannte Wälder neu gepflanzt werden müssen. Aber niemand hält sich daran. An der Küste Griechenlands und rund um Athen ist dies eine gängige Praxis, mit der sich kurzfristig hohe Gewinne erzielen lassen. Diese unmoralische kaufmännische Mentalität wird zudem durch ein fehlendes Ka- taster begünstigt. Überall entstehen Villen und Ferienhäuser auf verbrannter Erde. 70 Menschen ha- ben 2007 in Griechenland ihr Leben in den Flammen verloren. Das Bild einer Mutter, die mit ihren vier Kindern im Arm in einem Auto verbrannte, ging um die Welt. Der Notstand wurde ausgerufen, und die Regierung versprach hoch und heilig, diesmal wirklich alles wieder aufzuforsten. Nur vier Monate später berichteten die Medien von ersten Bauprojekten auf der noch warmen Asche. Korrup- tion und mafiaähnliche Strukturen ermöglichen dies. Aber viel schwerwiegender ist, dass die plan- lose griechische Feuerwehr auch bei den Bränden vom August noch mit veralteten Feuerwehrautos vorfährt und nicht Herr der Lage werden kann. Waldbrände kommen jedes Jahr. Warum wird die Feuerwehr nicht aufgerüstet? Ganz einfach: Weil es die Griechen selbst sind, die Griechenland ab- brennen! ◊ KP

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