magazin-botschaft.de - Das Magazin f?r Griechen und Freunde Griechenlands

GRIECHISCHE KULTUR

Was kostet die Welt?

Sparen und Protzen

"Wir sind das ärmste Volk in Europa mit den reichsten Einwohnern" – so charakterisieren sich die Griechen nicht ohne einen gewissen maroden Stolz. Griechenland hat im europäischen Vergleich
mit 73,2 Prozent die meisten Eigenheimbesitzer (Deutschland: 44,3 Prozent, aus: "Europa in Zahlen - Eurostat-Jahrbuch 2008"). Woran liegt das? Wie kann unser feierlustiges und in Saus und Braus lebendes griechisches Volk das finanziell geschafft haben?

Alles oder Nichts – Das griechische Spiel des Lebens

Das Geheimnis liegt zum Einen in der Familienverbundenheit, alles Einkommen in einen Topf zu wer- fen, es gemeinsam zu vermehren und auch gemeinsam auszugeben. Und zum Anderen in unserer Vergangenheit. Genau an dieser Stelle muss man die Dinge trennen. Es ist die ältere Generation ge- wesen, die gespart und für Wohlstand gesorgt hat. Und die jüngere Generation ist diejenige, die die- sen Wohlstand nun genießt. Denn die Alten sparten alles für die Kinder, damit sie es einmal besser haben. Das ist ein ungeschriebenes Gesetz in Griechenland und auch heute noch die höchste Maxi- me griechischer Eltern. Sie erlebten den Zweiten Weltkrieg, den Bürgerkrieg, Monarchie, Diktatur und Unterdrückung und immer wieder Arbeitslosigkeit und Hungersnot. Gezwungenermaßen lernten sie, mit dem Nötigsten auszukommen. Heute schauen sie ihren Kindern gerne dabei zu, wie sie das Leben genießen und sind stolz darauf, dass sie es geschafft haben, ihnen ein besseres Leben zu er- möglichen und etwas zu hinterlassen. Im Gegenzug sind ihre Kinder in der Pflicht, sie nicht ins Al- tersheim abzuschieben, sondern sie bis an ihr Lebensende an ihrem Familienleben teilhaben zu las- sen. Dieser natürliche Kreislauf funktioniert noch heute bei uns Griechen und sollte auch in Zukunft unser oberstes Gebot sein. Doch wo geht die Reise wirklich hin? Im Zuge der Globalisierung und ei- nes modernen vereinigten Europas kam auch ein Überangebot an Luxusgütern und ein amerika- nisch-europäischer "Way of Life" nach Griechenland, der vor allem bei den jungen und verwöhnten Griechen Bedürfnisse weckte, die es nun zu befriedigen galt. Es gibt gegenwärtig kaum einen grie- chischen Haushalt, der nicht hoffnungslos überschuldet ist, weil er über seine Verhältnisse lebt. Und unsere Regierung mit ihrem Bankensystem, wohlwissend um die finanzielle Situation, verteilt wei- terhin leichtfertig Kredite. Denn sie wissen ja: Wir sind das ärmste Volk mit den reichsten Einwoh- nern. Auf das wir unser Erbe verprassen. ◊ KP

Werbung