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GRIECHISCHE KÜCHE

Die Geschichte eines Nationalgetränks | "Zum täglichen Gebrauch"

Die Ouzo-Story

Eine Spirituose erobert die Welt. Nicht jeder kennt Odysseus oder die Akropolis, aber weltweit gibt es wohl kaum einen Menschen, der das griechische Nationalgetränk Ouzo nicht kennt, es schon ge- nossen hat oder zumindest davon gehört hat. Ouzo ist so tief in unserem griechischen Leben, unse- rer Kultur und unserer Geschichte verwurzelt , dass man meinen sollte, wir wären ein Volk von Alkoholikern.

Aber jeder, der uns Griechen und unsere Lebensart kennt, weiß es besser. Denn wir Griechen trin- ken Ouzo nicht, wir genießen ihn. Und zwar nie alleine, sondern immer in der "Parea" (Gesellschaft) – immer zum Essen, nie pur und keinesfalls eisgekühlt. Das ist bei uns so Uso. Wenn es ein Getränk

Ouzo – Pure Lebensphilosophie zum Einnehmen

gibt, das alle typischen Eigenschaften der grie- chischen Mentalität in sich vereint, dann ist es ganz sicher der Ouzo. Ein unverkennbarer Anis-Schnaps, der seinesgleichen sucht, weil er zum griechischen "Kefi", zur Lebenslust und guten Laune gehört. Dabei werden Spirituosen mit Anis in nahezu allen Mittelmeerländern hergestellt, nur nicht mit der speziellen Ge- würzmischung eines Ouzo. Der türkische Raki und der orientalische Arrak etwa werden aus- schließlich mit Anis aromatisiert. Der franzö- sische Pastis enthält zusätzlich Ingwerextrakte, die für seine gelbliche Farbe sorgen. Der spa- nische Anisette und der italienische Sambuca haben zwar Anis als Grundlage, gehören aber mit einem Zuckeranteil von 30 Prozent eher zu den Likören. Letztlich aber sind sie nur Anisgetränke und nicht mit der "Lebensphilosophie Ouzo" zu vergleichen. Erfunden wurde er, wie auch unser zweites Nationalgetränk Retsina, von Mönchen. Sie brachten die Kunst des Brauens und der Destillation aus Ägypten mit nach Griechenland. Die Frage, wann und wo der erste Ouzo gebrannt wurde, ist bislang nicht abschließend geklärt. Der Ouzo ent- stand aus dem Tsipouro (dem Großvater des Ouzo), einem Destillat aus Traubenrückständen, das bereits seit dem 15. Jahrhundert auch von der griechischen Minderheit in Kleinasien gebrannt wurde. Im Zuge der Diaspora 1922, dem Exodus der Griechen aus der Türkei, brachten die Flüchtlinge das Rezept heim ins Mutterland. Der erste griechische Ouzo wurde dort jedoch bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert produziert. Der weltberühmte "Ouzo 12" etwa kam schon 1880 zu seinem einpräg- samen Namen. Die griechische Familie Kaloyiannis besaß eine kleine Taverne in Konstantinopel (heutiges Istanbul) und schenkte dort Ouzo aus Fässern aus. Der göttliche Trank aus dem Fass Nr. 12 kam bei ihren Gästen am besten an und so nannte man ihn kurzerhand Ouzo 12. Als die Familie 1925 nach Thessaloniki zog, kamen sie auf die Idee, ihren "Ouzo 12" in Flaschen abzufüllen und zu exportieren. Somit ging er um die Welt, und seitdem begegnen sich auf allen Kontinenten die Men- schen mit der wohl wichtigsten Frage des Universums: "Ich trink‘ Ouzo, was trinkst Du so?". ◊ KP



Etymologie einer Lebensart
Eine Theorie zur Entstehung des Namens "Ouzo" besagt, dass der griechische Anis- Schnaps zum Export in Holzkisten verpackt wurde, die auf italienisch mit "Uso di Marsiglia" (auf Deutsch: "Zum Gebrauch in Marseille") beschriftet waren. Diese Auf- schrift wurde schnell zum geflügelten Wort für hochwertigen Anis-Schnaps. So wurde das Wort "Uso" oder heute "Ouzo" als Be- zeichnung für das griechische Nationalge- tränk übernommen, was vermutlich jedoch nur eine Volksweisheit ist.

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