magazin-botschaft.de - Das Magazin f?r Griechen und Freunde Griechenlands

GRIECHISCHES LEBEN

Achtung! Die Griechen kommen

Rasen betreten verboten

Besuch aus Griechenland – ein freudiges Ereignis oder Ausnahmezustand für Deutschland?
Echte Griechen zu Besuch in Deutschland sind etwas ganz Besonderes für uns in Deutschland lebende Griechen und Import von einem Stück Heimat, von Sonnenschein und Lebensfreude.


Am Flughafen angekommen, brauchte ich das Terminal und meine Besucher nicht lange zu
suchen, denn ich hörte sie schon von draußen. Dem Lärmpegel folgend, Griechen sind nicht
zu überhören, sah ich meine Verwandtschaft (sechs Erwachsene an der Zahl), neben einem
Berg von Gepäckstücken. "Oh Gott", dachte ich schon kurze Zeit später, als sie laut polternd
und vor Freude fast schreiend das Treppenhaus zu meiner Wohnung hochstürmten, das gibt
Ärger! Schon stand Frau Else Kling* aus der Parterre-Wohnung vor mir und drohte, wegen Ruhestörung (13-15 Uhr ist ja Mittagsruhe in Deutschland) die Polizei zu holen. Nachdem mir
Frau Kling abends um Punkt 22:05 Uhr nochmals mit einer Anzeige wegen Lärmbelästigung
drohte, konnte ich meine liebe Verwandtschaft davon überzeugen, zumindest die Stereoan-
lage runter zu drehen. Ich wusste gar nicht, wie laut 100 Watt sein können! Wie sollte ich Frau
Kling erklären, dass sie ganze vier Wochen bleiben werden? Oder meinen lieben Verwandten,
dass es in jedem deutschen Wohnhaus eine Hausordnung gibt, die vorschreibt, wann man du-
schen darf, wann der Hund bellen darf und wann Kinder spielen dürfen? Ich war in der Zwick-
mühle. Tags darauf musste ich erstmal mit viel Mühe und Überredungskunst meinem Schwa-
ger die schnell gebastelte Zwille wegnehmen, denn nur so konnte ich den Fortbestand der hannoverschen Tauben und Kaninchen in den Parkanlagen sichern. Einige Tierarten sind eben
in Griechenland in erster Linie Nahrung. "Hannover ist ja so schön grün", bemerkten sie "aber warum spielen hier nur Hunde und keine Kinder auf den tollen Rasenflächen?". "Tja?! Weil es
eben verboten ist", antwortete ich auf typisch deutsch. Der Begriff "Zierrasen", ist in der Hei-
mat unbekannt, genauso das Schild "Rasen betreten verboten"!

Verstreut - Pistazien

Trotzdem fühlten sie sich in Hannover wohl und erkun-
deten mit kindlicher Neugier unsere Nachbarschaft,
auch ohne mich. Wenn ich meine fröhliche und laute
Sippe suchen wollte und sie außer Hörweite waren,
brauchte ich nur die Richtung einzuschlagen, in die
meine verständnislos kopfschüttelnden Nachbarn aus
den Fenstern schauten. Weitere eindeutig griechische Spuren, sind achtlos auf die Straße geworfene Schalen
von Pistazien und gerösteten Sonnenblumenkernen,
der Lieblingssnack der Griechen. An einem schönen Sonntagmittag weckte mich ein penetrantes Sturm-
klingeln an meiner Haustür. Bevor ich schlaftrunken
die Wohnungstür öffnen konnte, hörte ich auch schon laute Bouzouki-Musik und "Jamas"-Rufe (Prost) aus dem Garten. "Gamoto!"“ (Verdammt), dachte ich mir auf Griechisch, das war’s,
die Anzeige von Frau Kling ist jetzt endgültig fällig! Ich öffnete die Tür und da stand sie schon.
"Na, wo bleiben sie denn?", rief mir eine ouzo-selige Frau Kling entgegen. "Die griechische
Grillparty mit ihrer Verwandtschaft und unseren Nachbarn ist in vollem Gange. Das Lamm am
Spieß ist gar und alle warten nur auf sie." Ich traute meinen Ohren nicht. Träumte ich noch?
"Und die Genehmigung der Hausverwaltung, habe ich auch eingeholt", zwinkerte sie mir zu.
"Jamas!" ◊KP

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