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PLATON ERKLÄRT...

Kolumne | von Konstantin Paraskevaidis

Griechische Weihnacht

Weihnachten – ich erwähnte es ja schon zu Beginn im Editorial – steht vor der Tür. Und zur Frage "Gibt es bei euch eigentlich Weih- nachten?" fällt mir ein, wie wenig viele Deut- sche über uns Griechen wissen. Ja, für uns Griechen gibt es das Weihnachtsfest – ge- nauso, wie für weitere 2,1 Milliarden Christen auf der Welt.

Auch wenn die vielen verschiedenen Gruppierungen teilweise andere Sitten und Gebräuche zu Weih- nachten haben, so feiern sie doch alle dasselbe Fest und glauben an Jesus Christus. Nominell gehö- ren 97% der griechischen Bevölkerung der christlichen Griechisch-Orthodoxen Kirche an, und im Zu- ge der Globalisierung verteilen wir unsere Geschenke mittlerweile auch am Heiligen Abend und stel- len einen Weihnachtsbaum auf, zumindest hier in Deutschland. Denn in Griechenland kommen we- der das Christkind noch der Weihnachtsmann, sondern der Heilige Wassilios, der Schutzheilige der Kinder und Hüter der Schifffahrt.

"Der Heilige Wassilios"

Weil er mit dem Boot über das Meer segelt, werden in Griechenland eigentlich auch keine Tannen- bäume, sondern Schiffe mit Lichterketten geschmückt. Die Kinder bekommen ihre Geschenkemeist erst zu Silvester - vom Heiligen Wassilios, der in der 1. Januarnacht heimlich und leise die Gaben vor ihr Bett legt. Ob katholische, evangelische oder griechisch-orthodoxe Weihnachtstraditionen, ei- nes haben sie gemeinsam: Die Kinder, ganz gleich ob aus Deutschland oder Griechenland, freuen sich überall gleich auf das Weihnachtsfest. Am Heiligen Abend gehen sie von Tür zu Tür und singen zum Klingeln der Triangel die weihnachtlichen "Kalanta", ein Weihnachtslied zur Ankündigung der Geburt Christi. Es soll den Menschen Glück bringen, und als Dankeschön werden die Kinder mit Süs- sem und ein paar Münzen belohnt. Viele Auswanderer aus den griechischen Großstädten und dem Ausland kehren zurück in ihre Heimatorte, um gemeinsam mit Verwandten und Freunden zu feiern. Zu Weihnachten und Ostern füllen sich so vereinsamte Dörfer, in denen meist nur die älteren Gene- rationen zurückgeblieben sind, mit Leben und Kinderstimmen. Am Heiligen Abend sind die Tische mit Nüssen, Mandeln, Rosinen und getrockneten Feigen gedeckt, denn am 24. Dezember wird noch ge- fastet. 40 Tage vor Weihnachten wird von den streng Gläubigen gefastet. Als Weihnachtsgebäck gibt es traditionell die "Melomakárona" (dunkelbraunes Honiggebäck, in Sirup getaucht und mit gehack- ten Nüssen oder Mandeln bestreut) und die "Kourambiédes" (Teegebäck mit gehackten Nüssen und Puderzucker).

Und so wird gefeiert:

Während der zwölf Feiertage vom 24. Dezember bis 6. Januar (das eigentliche Weihnachtsfest "Epi- phanias") wird in den Kaminen der griechischen Häuser das Feuer gezündet. Eine Legende besagt, dass durch die Schornsteine die "Kalikanzari" kommen. Diese Kobolde werden vom süßen Duft des Weihnachtsgebäcks aus der Erde gelockt und richten dann jede Menge Unfug in den Häusern an. Durch einen Priester und den Kindersegen werden die Häuser vor dem Eindringen der kleinen schwarzen Nervensägen geschützt. Am Tag der "Epiphania" feiern die Griechen die Taufe Jesu. Dann versammeln sich Dorfbewohner gemeinsam mit einem Priester an einem Gewässer, der dort ein Kreuz ins kühle Nass wirft. Wer es wieder herausfischt, wird im kommenden Jahr viel Glück haben. Wie übrigens auch alle, die auf die Münze beißen, die mit in die "Wassilopita", dem Neujahrskuchen, gebacken wurde. Generell spielt die griechische Küche bei unserem Weihnachtsfest eine große Rolle. Fast die ganze Weihnachtszeit über gibt es reichlich Gebäck – und, wie stets nach der Fastenzeit, ge- grilltes Lamm und Schwein. Eines unterscheidet das griechische vom deutschen Weihnachtsfest aber dann doch: In Griechenland feiern wir nicht so besinnlich wie in Deutschland, sondern laut, lebens- lustig, mit Musik und Tanz und allem, was zu einer Feier dazugehört. In diesem Sinne Ihnen allen ein vergnügliches Fest!

"Kalá Christoujena" - Frohe Weihnachten

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