magazin-botschaft.de - Das Magazin f?r Griechen und Freunde Griechenlands

GRIECHISCHE KULTUR

Hellas und seine Verkehrsregeln

"Stassou! Sto prassino!"

"Stassou! Bleib stehen! Du kannst hier nicht einfach so über die Straße laufen", schreit Petros. "Aber wieso? Es ist doch grün für uns", antwortet Wolfgang verwundert. "Ja, aber in Griechenland ist Grün eben nicht gleich Grün", erklärt Petros."

Verkehrte Welt - Überall ist grün gleich grün, nur in Griechenland nicht!

Wolfgang ist mit seinem besten Freund Petros gemeinsam in den Urlaub nach Athen gefahren und versteht die Welt nicht mehr. Grün für Fußgänger hat dort nichts zu bedeuten, denn auf Griechen- lands Straßen gilt das Recht des Stärkeren. Jedes griechische Kind weiß, dass man im Straßenver- kehr nicht rechthaberisch sein sollte - und auch bei grünen Fußgängerampeln solange wartet, bis
die Autos wirklich stehen. So gesehen ist Urlaub in Hellas wahrlich kein Kinderspiel. Man sollte auf einiges gefasst und gut vorbereitet sein, um den zehn Millionen Griechen vor Ort zu begegnen. Die internationalen Verkehrsregeln gelten laut Gesetz zwar auch dort, aber nur auf dem Papier. Da wir patriotische Demokraten sind, verändern wir diese Regeln gern – und meist willkürlich. Darum ein gut gemeinter Rat: Glauben Sie nicht, dass Sie als Tourist, mit einem Leihwagen in einem griechi- schen Dorf unterwegs und von rechts kommend, auch wirklich Vorfahrt haben. Keineswegs! Es ist der griechische Dorfbewohner, der sich wie selbstverständlich die Vorfahrt nimmt – egal aus wel- cher Richtung er kommt. Immerhin ist es ja sein Dorf, oder etwa nicht? Als Wolfgang und Petros
sich abends in einem Bouzoukia-Club (Folklore-Nachtclub) vergnügten, mokierte sich unser deut- scher Freund über das fremdartige Gejaule der Sänger und das Tellerzerschmeißen der allein tan- zenden Männer. Daraufhin erinnerte ihn Petros an das folkloristische Gejodle und an die ohrfeigen- den Schuhplattler-Tänzer in Bayern. Andere Länder haben nun mal andere Sitten. Deshalb funktio- niert in Griechenland auch fast nichts nach Plan, weil es (im Gegensatz zu Deutschland) aus Prinzip keine Pläne gibt. Geschweige denn jemanden, der Interesse daran hätte, sich an etwaige Pläne zu halten. Was es hingegen gibt, ist ein anderes Verständnis von Tempo (Rithmos). Griechen erledi- gen kleine wie große Dinge in einem atemberaubenden Tempo – allerdings erst nach lange andau- erndem Müßiggang und immer erst kurz vor Zapfenstreich. Aber genau das ist es doch, was Besu- cher und Einheimische an und in Griechenland lieben: Das unkomplizierte und unbeschwerte Leben, ohne Stress und Magenschmerzen. Und Wolfgang? Er will seinen Urlaub nächstes Jahr wieder in Griechenland verbringen – mit oder ohne Petros. Soviel ist schon mal "geplant". ◊ KP

Werbung