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GRIECHISCHE KÜCHE

In aller Munde

Ein Gyros geht um die Welt

Rund um den Globus gibt es wohl kaum eine größere Stadt, in der keine Griechen leben – und wo somit
auch unser Fastfood-Gericht Nr. 1 angeboten wird. "O Giros tis Gis se mia Pita" – damit wirbt ein Giros-Im- biss im Hafen von Thessaloniki. Es ist ein Wortspiel
mit doppelter Bedeutung, das unser aller Giros an- preist. Wörtlich übersetzt, ist damit nicht Giros als Ge- richt gemeint, denn der Satzteil "O Giros tis Gis" be- deutet "Die Weltumrundung" und "se mia Pita" meint "in einer Pita". Der Spruch kann aber auch so ver- standen werden: "Der Giros der Welt in einer Pita".

Der Begriff "Giros" hat also mehrfache Bedeutung, steht meist jedoch für "gedrehter Grillspieß". In Brasi- lien heißt er "Churrasco Grego" und in Frankreich "Sandwich Grec". In Griechenland selbst ist und bleibt der Giros (entgegen der Meinung vieler Griechenland-Touristen, die Giros stets als Hauptgericht serviert be- kommen) ein Snack, der in dortigen Restaurants und Tavernen gar nicht angeboten wird. Die Einführung des Giros außerhalb Griechenlands wird in den USA und in Deutschland bereits um 1965 belegt. Es ist aber anzu- nehmen, dass er in beiden Ländern schon viel früher bekannt, aber noch nicht so populär war. In einem Ar- tikel aus der New York Times von 1971 wird sogar an- genommen, dass das "Giros Sandwich" (wie es in den USA genannt wird) eine tausendjährige Geschichte hat. Angeblich soll sogar Alexander der Große seinen Sol- daten Giros serviert haben. Und damit kommen wir zu unserem Streitthema: Da behaupten doch tatsächlich einige Nachahmer, dass sie unseren Giros erfunden haben! Es wird der große Erfolg des Döners erwähnt – und das, obwohl er erst Anfang der vergangenen 70er Jahre von einem türkischen Immigranten in Berlin er- funden wurde. Wieder andere behaupten, dass die wahre Herkunft des Giros im Nahen Osten liege und "Shawarma" genannt wurde. Dort gab es zwar schon Drehspieße und fein gehacktes Fleisch – nur eben kei- ne Sandwiches mit Pita- oder Fladenbrot. Weil die nun mal definitiv von den Griechen erfunden wurden. Näm- lich frühestens in der Antike und spätestens in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts! Sonst hätten doch auch die Wikinger behaupten können, dass ihr Wild- schwein am Drehspieß über offenem Feuer ebenfalls ein Leckerbissen nach Giros-Art gewesen wäre. Wie dem auch sei: Die Welt spricht und schlemmt von un- serem Giros. Es heißt ja auch nicht "Dönerkonto" oder "Shawarma di Italia", sondern "Giro(s)konto" und "Giro(s) di Italia"! Und wo wir grad dabei sind: Die Piz- za haben übrigens auch wir Griechen erfunden, und die Bratwurst und den Pfälzer Saumagen obendrein! Ihre Leserbriefe zu meiner "historischen Wahrheit" sind uns sehr willkommen! ◊ KP






Etymologie eines Snacks
Der Begriff Giros (griechisch: γύρος, jíros) hat im Grie- chischen viele Bedeutungen: Die häufigste und ur- sprüngliche ist Kreisel oder Runde. Er entspricht auch dem französischen Begriff Tour. So bezeichnet man et- wa die Tour de France im Griechischen als Giros tis Gallias (Rundfahrt Frankreichs). Das Verb zu Giros ist gyrizo (ich dre- he oder ich umfahre). Nur im gastrono- mischen Kontext steht der Begriff Giros für den Dreh- spieß. Im Italienischen ist das Wort seit der Renais- sance als Giro übernommen worden und fand von dort auch seinen Weg ins Deutsche – etwa als Girokonto.

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