magazin-botschaft.de - Das Magazin f?r Griechen und Freunde Griechenlands

GRIECHISCHES LEBEN

Sommerzeit ist Ferienzeit

Last Minute-Griechen

Wie die Vogelschwärme im Winter zieht es auch unsere ausländischen Mitbürger in den Sommerfe- rien scharenweise Richtung Süden. Hunderttausende sind dann auf dem Weg in ihre erste Heimat.

Ob mit dem Auto, Flieger oder Reisezug – pünktlich zum Ferienbeginn im Sommer herrscht auf Deutschlands Autobahnen, an den Flughäfen und Bahnhöfen der Ausnahmezustand und "griechi- sches Chaos" ist angesagt. Allerdings: Als "Chaoten" würde uns nur ein Unwissender bezeichnen. Nach griechischer Logik gilt das Chaos nämlich als direkte, geradezu notwendige Vorstufe zur
Ordnung. Aus einem Chaos entstand die Welt. Und dass wir uns erst im letzten Moment um die Urlaubsplanung, Flugtickets etc. kümmern, könnten Ahnungslose sogar als Mangel an Organisa- tionstalent deuten. Dem ist nicht so! Das haben wir 2004 beim Ausrichten der Olympischen Spiele
in Athen der ganzen Welt deutlich vor Augen geführt! Sämtlichen Kritikern zum Trotz sind wir fer-
tig geworden – wenngleich auch erst im letzten Moment. Wir haben eben ein ganz besonderes Tempo-Verständnis, sowohl bei kleinen als auch bei großen Vorhaben. Und wir verfallen erst kurz vor Toresschluss in Hektik. Wir sind die "anthropi tis telefteas stigmis" – die Menschen des letzten Moments, oder moderner: Last Minute-Griechen. Dies gilt auch für unsere Urlaubsplanung. Mindes- tens einmal im Jahr ist der Besuch Griechenlands und der dort lebenden Verwandtschaft ein Muss
für jeden heimatverbundenen Griechen in Deutschland. Nachdem wir es aus unserem geordneten Chaos heraus geschafft haben und in Hellas angekommen sind, heißt es: Raus aus dem Alltag und rein ins Vergnügen! Vergnügen auf Griechisch bedeutet Sonne, Strand, gutes Essen genießen, die heimatliche Dorfgemeinschaft aufmischen, weltmännisch tun und prahlen, was das Zeug hält. Zu- rück in Deutschland werden wir natürlich von "Zoi Kai Kota", von der Dolce Vita in Griechenland, schwärmen und die Daheimgebliebenen vor Neid platzen lassen. Diese Urlaubssimulanten, die sich benehmen wie Touristen und in Flipflops rumlaufen, die die obligatorische Sonnenbrille auf dem
Kopf tragen und nicht auf der Nase und ihren Urlaubsantrag in letzter Minute verschlafen haben! Immerhin: Wer Flipflops trägt, ist – zumindest innerlich – auf dem Weg zum Strand. ◊ KP

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