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REISE

Urlaubsziel | Die Kykladen

Inseln des Lichts

Auf den Kykladen, heißt es, findet man die Seele Griechenlands. Weiße Dörfer schmiegen sich an Felshänge, verwinkelte Gassen führen vorbei an würfelförmigen Häusern, malerischen Häfen und kleinen Kapellen. Nirgendwo sonst auf der Welt scheint das Meer so blau und das Licht so intensiv.

Die Kykladen – das sind 20 größere und etwa 200 zum Teil winzige Inseln im Mittelmeer nördlich von Kreta, auf denen rund 111.000 Menschen leben. Obwohl man die Kykladen schon seit der An-
tike gern als eine Einheit um das spirituelle Zentrum Délos versteht, hat jede der Inseln ihren ei- genen Charakter. Mýkonos ist das exklusive und mondäne Highlight – mit internationalem Flair, ausgezeichneten Stränden und ungezwungener Atmosphäre. Náxos und Páros, die grünen Kykla- deninseln, bieten romantische Sandstrände, und Santorini ist geologisch gesehen die außerge- wöhnlichste Insel: Durch einen gewaltigen Vulkanausbruch erhielt sie ihre heutige bizarre Form. Amorgós ist die östlichste der Kykladeninseln. Sie ist recht gebirgig und lädt zum Wandern ein. In den 90er Jahren wurde sie berühmt durch den Film "Im Rausch der Tiefe".

Das tiefblaue Wasser der Kykladen bestimmt den Lebensrhythmus seiner Bewohner. Auch den
von Phanis: Wenn mittags die blauweiße Fähre der Small Cyclades Lines von der Nachbarinsel Koufonísi naht, packt der Chef der Pension "The Big Blue" auf Amorgós sein selbst gebasteltes Schild und macht sich wie seine Kollegen auf den Weg hinunter zum Hafen. Dann, mit einer hal-
ben Stunde Verspätung, öffnet sich die Ladeklappe der Fähre und die Touristen strömen auf die Uferpromenade. Phanis und die anderen warten mit ihren Schildern bereits auf sie: "Rooms"
und "Ask us" ist darauf zu lesen, oder einfach nur "Welcome".

Die mehr als 220 Kykladen trennen oft nur wenige Kilometer voneinander und lassen sich am
besten per Fähre entdecken. Idealer Startpunkt dafür ist Mýkonos. Am Wochenende besuchen Bootsladungen von Jugendlichen aus Athen diesen weißgetünchten Traum und Kreuzfahrttouris-
ten schlendern über die Uferpromenade. Trotz des Trubels bewegt sich in den Gassen der Alt-
stadt alles im langsamen Rhythmus der Lounge-Musik, die aus den Bars und Boutiquen säuselt. Hektik gibt es nicht. Vielleicht auch deshalb, weil man dem Sitz der Götter so nah ist. Délos, die mythische Geburtsstätte von Artemis und Apollo, liegt nur ein paar Kilometer vor der Küste von
Mýkonos. Gerade einmal fünf Kilometer lang und ein paar hundert Meter breit ist das heute un- bewohnte Eiland. Die Ruinen um die berühmte Löwenterrasse zeugen von einer Zeit, als sie das
Zentrum der Inselwelt war. Aus dieser Ära stammt auch der Name der Kykladen: Die "Ring-In-
seln" um den Mittelpunkt Délos. Dort stellten alle benachbarten Inselstaaten ihre Geschenke an
die Götter auf. Heute verlassen die letzten Boote die Insel gegen 15.30 Uhr und die Ruinen leuch-
ten zum Abschied im Rot der Abendsonne.

45 Minuten Náxos, die größte der Kykladen. Ein gigantisches steinernes Tor, das vom Tempel
des Apollo übrig blieb, ist der erste Eindruck für die Besucher. Dahinter stapeln sich die Häuser
des alten Stadtviertels Burgos, gekrönt von den Mauern des venezianischen Kastro. Mit einem herzlichen Lächeln begrüßt Despina ihre Gäste. Seit 40 Jahren vermietet sie Zimmer in ihrem
Haus mit Dachterrasse und wunderbarem Blick über den Hafen. Auf Náxos geht alles etwas ru-
higer zu als auf Mýkonos – und günstiger ist es auch. Während der "Mojito" dort 12 Euro kostet, herrscht an der Hafenpromenade von Náxos 24 Stunden Happy Hour (jeder Drink für 3,50 Euro). Weiter geht es in die Berge. Der blaue Motorroller, der zwar kaum geradeaus fährt, es dafür
aber zum Stolz des Vermieters immerhin auf 80 km/h bringt, katapultiert seine Besatzung auf
die Höhenzüge (die bis auf 1001 Meter ansteigen) und in Dörfer wie aus einem Postkartenidyll,
wo der Großvater vor dem Haus winkt, Bauern auf ihren Eseln von den Feldern heimkehren, und Ziegen von Felsvorsprüngen aus die Touristen beobachten.

Santorini - Ein Traum in Blau und Weiß

Das natürliche Ende der Kykladen-Reise bildet Santorini, die südlichste und vielleicht schönste Insel der Kykladen. Sie wurde im Altertum erst Kallisti genannt, die "Allerschönste". Danach trug
sie den Namen Thera, und seit der Zeit der Kreuzfahrer heißt sie Santorini. Die Blue-Star-
Fähre erreicht die Schöne im Hafen der hunderte Meter hohen Caldera. Der Kraterrand entstand
bei dem Vulkanausbruch, der etwa 1630 vor Christus die Ägäis heimsuchte und die mykeni-
sche Kultur auslöschte. Abends zieht es die Tou- risten in langen Strömen durch die Gassen von
Oía, hoch oben auf dem Caldera-Rand.


Vulkaninsel - Mit malerischen Buchten

Die Knotenpunkte der Kykladen sind Mýkonos, Náxos, Páros und Santorini. Von hier gibt es Bootsverbindungen in alle Winkel der Inselgrup-
pe. Tickets für die Fähren sind bei den Fährbüros erhältlich, die häufig an der Uferpromenade lie-
gen. Je nach Größe der Insel fahren täglich meh-
rere Boote, manchmal nur eines wöchentlich. Die Preise variieren je nach Entfernung, Geschwindig- keit und Komfort der Fähren. Die beste Reisezeit
für die Kykladen sind die Monate Mai bis Juni. Im Juli und August sind die Inseln oft überlaufen,
erst im September wird es wieder ruhiger. Ende Oktober naht die lange Winterpause, und Phanis schließt seine Pension "The Big Blue" auf Amor-
gós und fährt zu seiner Familie nach Athen. Doch dann sind die Touristen aus aller Welt schon
längst zu Hause – mit einmaligen Erinnerungen von den Inseln des Lichts, die sie für immer fest- halten möchten. ◊ SL

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