magazin-botschaft.de - Das Magazin f?r Griechen und Freunde Griechenlands

GRIECHISCHES LEBEN

Hellenische Lebensart

"Zoi Kai Kota" - Leben und Hühnchen

"Unter allen Völkern haben die Griechen den Traum des Lebens am schönsten geträumt" – dieser Ausspruch von Johann Wolfgang von Goethe macht uns Griechen stolz und ehrt uns.

Gewiss hat der deutsche Dichterfürst und große Philhellene damit auch unseren "Greek Way of Life" zwischen Sand und Säulen gemeint, also: Leben (Tanzen & Spaß haben) und Hühnchen (Essen & Trinken). Wir arbeiten um zu leben – und nicht umgekehrt, wie es die Obrigkeit gern hätte. Ohne diese typisch griechische Gelassenheit hätten wir wohl niemals die Wiege der abendländischen Kul- tur werden können. Wir genießen den heutigen Tag und den Abend mit allem, was dazu gehört. Was morgen kommt, wird sich zeigen. Immerhin sind wir auch Meister der Improvisation. Und wir sind ein kommunikationsfreudiges Volk, das ohne die Nähe zu anderen Menschen nicht überlebensfähig ist. Selten wird man Griechen einsam in einer Taverne oder einem Kafenion (Kaffeehaus) sitzen se- hen. Warum? Sie haben fast panische Angst, irgendwo ganz allein angetroffen zu werden. Zur Si- cherheit haben sie immer ein Handy dabei. Und so kommt es, dass allabendlich auf der Plateia (un- serem Marktplatz) Scharen von Handybesitzern sich Freunde "herbeirufen", um ja nicht allein essen bzw. trinken zu müssen. So entsteht die Parea (Gesellschaft oder Freundeskreis). Zu ihr gehört un- weigerlich das Essen. Es ist gleichermaßen Prozedur, gesellschaftliches Leben und Amüsement. Hin- zu kommt das hellenische Mysterium: Das rätselhafte "Nicht-Betrunken-Werden". Kaum ein Grieche trinkt allein – und schon gar nicht nur Alkohol. Er bestellt immer reichlich Essen dazu. Denn wer viel isst, wird nicht so schnell betrunken. Allerdings findet man auf keinem griechischen Tisch den in Deutschland so geliebten randvoll gefüllten Teller mit Fleisch, Kartoffeln und Gemüse, sondern viele kleine Portionen von Diesem und Jenem auf noch kleineren Tellern, von denen sich von Zeit zu Zeit bedient wird. Zum ungestörten Reinschaufeln ist keine Zeit, man muss ja Konversation pflegen. Es- sen ist in Griechenland ein Transportmittel der Sprache, und Geiz ein Schimpfwort. Also geizen wir nicht mit unserem Leben und träumen in Goethes Sinne schön weiter. ◊ KP

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