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Platon meint...

Nachschlag | von Konstantin Paraskevaidis


"Griechenland bleiben die Touristen weg!" – warum eigentlich? Auf jeden
Fall sorgt diese Schlagzeile dafür,
dass unsere bis dato überhebliche Ur- laubsindustrie nun gezwungen wird, endlich aus ihrem jahrzehntelangen Koma zu erwachen und sich an ihren eigentlichen Auftrag zu erinnern? Und der ist doch, sich darum zu kümmern, dass unsere Gäste aus aller Welt erholt und zu- frieden und am besten noch mit schönen Erinnerungen an ihren Griechenlandurlaub
nach Hause zurückkehren!

Stattdessen verlieren sich die Verantwortlichen in für mich unglaubwürdigen Rechtfertigungen für
ihr Missmanagement. Da werden mal die globale Rezession angeführt, mal die schweren Unruhen, die im Dezember viele griechische Städte erschütterten. Oder aktuelle Wechselkursprobleme Groß- britanniens. Ich meine, es sind nicht die hohen Preise, die die Gäste abschrecken. Es ist die oft un- genügende Leistung, die dafür geboten wird. Wir schwärmen von der wunderschönen Landschaft, den traumhaften und sauberen Stränden, wie gastfreundlich Griechenland ist und wie fürsorglich
und fröhlich seine Menschen sind. Wir schildern in blumigen Worten, wie volkstümlich und traditions- bewusst wir dort leben. Wir begeistern für unsere Esskultur und dafür, wie gesund unsere Speisen sind und das wir immer fröhlich in der Gemeinschaft unser Essen teilen und Spaß haben – eben das gute Leben tatsächlich leben. Stattdessen wird in einigen Regionen eine Hotelburg nach der anderen hochgezogen und versucht, Mallorca mit seinen Bratwurstbuden und seiner Ballermann-Mentalität nachzueifern sowie vieles mit billigen All Inclusiv-Paketen verramscht. Mit der Folge, dass die Gäste oft über ihren mit angeblich typisch griechischen Leckerbissen überfüllten Teller unser wahres Grie- chenland gar nicht mehr sehen können. Das Griechenland, worauf jeder Auslandsgrieche stolz ist und wofür er gern als Botschafter im Ausland wirbt. Lasst uns zurück zu unseren Wurzeln kehren, lasst uns wieder gern Gastgeber sein und damit werben, was dieses in aller Welt einst so beliebte Reiseziel berühmt gemacht hat: seine bewegte Geschichte, seine lebensfrohen Menschen, seine Ess- kultur und natürlich seine landschaftliche Schönheit. Dieses Griechenland existiert nach wie vor. Es braucht sich nicht zu verstecken und schon gar nicht ändern. Wenn die verantwortlichen Tourismus- manager sich daran wieder erinnern (wovon ich überzeugt bin), dann müssen wir in deutschen Zei- tungen auch nicht mehr länger Schlagzeilen lesen wie "Keiner will nach Griechenland!".

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