magazin-botschaft.de - Das Magazin f?r Griechen und Freunde Griechenlands

Platon sagt...

Nachschlag | von Konstantin Paraskevaidis


"Opu sis eki patris" (wo du lebst, ist
auch deine Heimat) – Diese griechi-
sche Weisheit nehmen wir Griechen wortwörtlich.

Und zwar aus Überzeugung und weil wir weltoffen sind. Eben Kosmopoliten. Nicht umsonst heißt es bei uns: "Es leben mehr Griechen im Ausland als in Griechenland selbst". Tatsächlich haben offiziell etwa 4 Millionen Griechen ihre Heimat außerhalb des griechischen Mutterlandes. Die Diaspora, die Vertreibung aus Kleinasien in den 20er Jahren und die schlechte wirtschaftliche Situation in Griechenland in den 60er Jahren sorgten dafür, dass die Griechen in aller Herren Länder ihr Glück suchten – und schließlich als Gastarbeiter auch nach Deutschland kamen. Aber Gäste sind wir hier schon lange nicht mehr. Gäste sind zu Besuch da, und ihr Aufenthalt ist meist zeitlich begrenzt. Sie können jederzeit gehen, wenn es ihnen irgendwo nicht gefällt.

Entscheiden wir uns aber, Mitbürger zu werden, dann sollten wir uns auch nicht mehr wie Gäste be- nehmen. Vielmehr sollten wir Verantwortung übernehmen, uns einbringen und Gastgeber werden. Erst dann sind wir angekommen, sind wir erneut zuhause und integriert. Deutschland hat uns die Hand gereicht – und es liegt an uns, sie zu nehmen. Dafür müssen wir uns nicht verbiegen, gar un- sere Herkunft verleugnen oder die Wurzeln vergessen. Nein, im Gegenteil: Wir können stolz sein auf unsere Herkunft! Denn bei uns stand immerhin die Wiege der Kultur!

Integrieren heißt nicht, die Identität zu verlieren. Auch deshalb ist es wichtig, dass wir unser griechi- sches Leben, unsere Kultur und unsere Sprache in unserer zweiten Heimat Deutschland weiterfüh- ren, ohne uns auszugrenzen oder unser deutsches Leben zu vernachlässigen.

Und an die Adresse unserer Politiker, die sich wirklich Mühe geben, uns bei der Integration behilflich zu sein: Helft uns, indem ihr einfachere Begriffe wählt, als Integration, Migration, Toleranz oder Ak- zeptanz. Lasst uns eine einfachere Sprache wählen, um sie für alle verständlich zu machen. Wie wä- re es mit "Entgegenkommen, Verständnis, Miteinander, Gemeinsam, Hände reichen"? Als zur Fuß- ballweltmeisterschaft 2006 die Welt zu Gast in Deutschland war, fühlte ich mich auch als Gastgeber und war stolz darauf – obwohl unsere Griechen rausflogen!

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